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24.4.16 17:33


Kindermund

Das große Kind:

Junior soll ein Referat halten und endlich sein Thema vorab angeben, er hat sich für zwei Termine, aber ohne Thema in die Liste eingetragen. Er möchte über Planeten sprechen und seine Lehrerin meinte, er solle sich seinen Lieblingsplaneten aussuchen, außerdem wolle sie gerne wissen, warum er zwei Termine blockiere. Darauf mein nicht von sich eingenommenes Kind: "Ach, Frau Lehrerin, ich muss ja erstmal das Sonnensystem erklären, bevor ich auf einen Planeten näher eingehe. Und wie ich die Klasse kenne, brauchen die ewig, um das zu verstehen. Deswegen erkläre ich bei einem Termin das Allgemeine und wenn sie das begriffen habe, erkläre ich beim zweiten Termin etwas über meinen Planeten. Aber ich denke, ein Termin reicht, so schlau sind die nicht, dass sie Einzelheiten verstehen."

 

Sohnemann soll für zwei verschiedene Tage der Woche die gleiche Strafarbeit schreiben. Nachdem er es einmal verbummelt hat, gabs gestern die Aufforderung, dass er es tun solle. Heute Anruf der Lehrerin:

"Frau Chaos, Ihr Sohn hat die Strafarbeit nur einmal geschrieben"
"Frau Lehrerin, das tut mir leid, er hatte aber den Auftrag, es zweimal zu schreiben."
"Naja, das war ihm bewußt. Er hat das Heft gegeben mit den Worten: da, ich hab es einmal geschrieben, Du kannst es ja zweimal lesen. Dann drückte er mir eine Kopie des Hefteintrags in die Hand und meinte, falls er diese Woche das Gleiche nochmals schreiben solle, könne ich die Kopie lesen."

Die Lehrerin nahms mit Humor und ich auch. Eigentlich finde ich das sehr kreativ...

 

"Mama, kann ich schon Kinder kriegen?"

"Du weißt doch, dass nur Frauen Kinder kriegen können."

"Ich meine ja auch, ob ich schon welche machen kann."

"Nein."

"Liegts am Werkzeug oder daran, dass ich zu jung bin?"

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Das Mäusekind braucht einen neuen Badeanzug:

"Für den Schwimmkurs möchte ich einen Badeanzug mit ohne Farbstoff."

"Mit ohne Farbstoff? Einen weißen?"

"Nein, bunt soll der schon sein, ich meine einen Brusthalter und eine Unterhose und dazwischen kein Farbstoff!!!"

 

"Mäusekind, nicht mit vollem Mund reden! Ich versteh Dich nicht!"

"Mensch Mama, dann frag halt beim Essen nichts!"

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Und die Minimaus übt so eifrig in der Logopädie, dass wir nur noch drei Stammversprecher haben :-)

Eigentlich+sowieso= ehwieso, Buchstabe=Gubstabe, Paprika=Pakika (aber Paprikatze kann sie aussprechen)

8.3.16 14:20


Familienprojekt

Unser derzeitiges Familienprojekt "neue Einwohner begleiten" läuft wunderbar. Wir hatten eine etwas stressige Woche mit vielen Einkäufen, Behördengängen und dauerndem Handygeklingel, weil immer einer irgendwo ohne Busverbindung war, aber das hat sich eingespielt. Unserem Mäusekind liegt die syrische Mentalität ungemein, sie fühlt sich pudelwohl in den Familien, hat eine Freundin gefunden, spricht mit Händen, Füßen, einigen englischen und arabischen Wörtern und ist dort wie zu Hause. Simon möchte auch viel helfen, aber bitte ohne ständiges Geknutsche, er ist dabei, wenn wir einkaufen, erklärt im deutschen Supermarkt viel und lässt sich im türkischen Supermarkt aufklären und fährt mit zur Moschee, immer wißbegierig für neue Dinge. Der kleinen Maus ist das eher unheimlich, sie steht sich selbst im Weg, möchte auch so aufgenommen werden wie das Mäusekind, ist aber dann eifersüchtig, will mich nicht englisch sprechen hören und ist häufig den syrischen Kindern aggressiv gegenüber, die das überhaupt nicht abkönnen (verständlicherweise). Sie hilft mir zu Hause Formulare sortieren und Schilder ausmalen, das ist ihr lieber, wie dort zu sein. Mike macht guckt in den Wohnungen nach Fernsehanschlüssen und kümmert sich um die männlichen Belange, raucht mit den Syrern die eine oder andere Wasserpfeife und unterhält sich. Ich selbst helfe beim Anträge ausfüllen/abgeben, eröffne Bankkonten, gehe einkaufen, zeige karitative Läden, erkläre das Arztprocedere, stelle Kindersitze zur Verfügung, betreue Kinder beim Deutschkurs, eigne mich als Großraumtaxifahrer und bin sonntags morgens da, wenn jemand Fieber hat und Hilfe braucht. Noch einige andere im Ort machen das gleiche wie wir. Wir hören Kriegs- und Fluchtgeschichten, die uns betroffen machen, sehen Fotos aus fernen Welten und glücklichen Tagen und diskutieren lautstark auf Englisch darüber, dass wir Freiwillige und keine Bediensteten sind. Zwei Menschen von 38 sind einfach zu dominant, alle anderen sind nur freundlich. Wir wurden zum Abendessen geladen, bekommen syrische Heilpraktikeranwendungen und lernen viel über die fremde Kultur und frischen ganz nebenbei unser Englisch auf.

Wir haben keine unterdrückten Frauen gesehen, keine fanatischen Muslime, wir erleben Menschen, die Pläne haben, einen Neuanfang machen möchten und unsere Hilfe als Sprungbrett sehen. Die wenigsten möchten zurück, sie träumen von der eigenen Wohnung, von Arbeit, von der Wiederaufnahme des Studiums. Die Schulanmeldungen für die Kinder werden gefeiert, es wird Deutsch gebüffelt und geübt. 

Während uns hier in der näheren Umgebung ein kalter Wind entgegen schlägt, uns Meinungen von bis daher als nett wahrgenommenen Dorfbewohnern erschrecken, versuchen wir und noch ein paar andere Wärme zu verbreiten. Und das nicht nur im übertragenen Sinne. Heizlüfter, Decken und Winterjacken stehen hoch im Kurs, die meisten frieren hier furchtbar, während wir in den überwärmten Zimmern Luftnot bekommen :-)

Was noch auffallend ist, dass sich alle drei Kinder an ihre Geschichte erinnern. Simon erwähnt häufig, wie schön es ist, dass es jetzt "dunkle Menschen" hier gibt. Wir ahnten nicht, wie wichtig ihm das ist. Mäusekind arbeitet viel auf, möchte viel über Flucht wissen und wie gut es ist, aufgenommen zu werden. Sie möchte etwas zurückgeben und kann ihre Geschichte gut an die anderen anknüpfen und gut verarbeiten. Bei der kleinen Maus löst vermutlich genau das die Angst aus, sie verarbeitet auf ihre Weise. Aber wie das Mäusekind vor kurzem sagte, sind wir alle Flüchtlinge, die irgendwann im Leben Hilfe brauchen und ankommen möchten. Und das ist sehr viel Lebensweisheit für eine Fünfjährige.

16.2.16 14:18


Was lange währt...

Heute hatte Simons Schulbegleiterin den ersten Tag. Wohlgemerkt heute! Im Juni wurde der Antrag gestellt, im Juli bearbeitet, im September mündlich genehmigt. Das ist eine Höchstleistung, normalerweise dauert das viel länger. Die Schulleitung hat von Juni bis Oktober gebraucht, um das letzte notwendige Formular einzureichen, im Oktober ist der alte Antrag dann abgelaufen, ein neuer wurde gestellt, im November traf das Formular von der Schule ein, im Janur gab es das erste Vorstellungsgespräch mit Schulbegleitern. Keiner ist vom Fach, keiner kann die volle genehmigte Stundenzahl. Das wurde uns anders versprochen. Versprochen wurde uns auch, dass wir den Schulbegleiter vom Schulbeginn an bis zum Halbjahr als Unterstützung bekommen und dann sehen, ob Simon überhaupt noch einen nötig hat. Am Schuljahresanfang ging ich noch täglich mit, stand wöchentlich im Lehrergespräch, es wurde langsam besser. Dann hatten wir wieder eine schlimmere "keine-Regel-gilt-für-mich"-Phase, die nahtlos in eine "ihr-könnt-mich-mal"-Phase überging. Jetzt passt alles soweit, wir denken, er kommt klar. Jetzt kommt der Schulbegleiter. Mal sehen, ob er die Dame akzeptiert, der Lehrerin ist sicher geholfen, denn die Aufmerksamkeit, die Simon sonst braucht, kann sie dann anderen Schülern schenken. Schau ma mal.
16.2.16 13:59


Fastenvorsätze

Anlässlich Simons Kommunionjahr spielt der Glauben eine besondere Rolle. Nicht nur wegen des speziellen Unterrichts, sondern auch wegen der Themen, die dazu anfallen. Das Gespräch über die Beichte wird mir immer in Erinnerung bleiben:

"Mama, ich versteh das nicht. Wenn ich etwas anstelle, was ich absichtlich mache, dann entschuldige ich mich nicht. Und wenn ich was versehentlich angestellt habe, dann entschuldige ich mich und dann interessiert es den Herrn Pfarrer auch nicht."

Wo er Recht hat, hat er Recht. Er hat als einziger in seiner Gruppe das Beichtgespräch und nicht den Beichtstuhl gewählt und sprach länger mit unserem Herrn Pfarrer wie die anderen. Irgendeine gute Diskussion gab es sicher :-)

Dieses Jahr gibt es auch zum ersten Mal Fastenvorsätze für die ganze Familie, wir Großen machen das eh jedes Jahr, aber die Kleinen haben sich freiwillig und mit Verstand für folgendes entschieden:

- Simon verzichtet freitags komplett auf Süßigkeiten

- das Mäusekind kümmert sich durchgehend um den Hund, was für sie heißt, dass sie morgens und abends schneller fertig werden muss, um noch Zeit für den Hund zu haben (und das fällt ihr richtig schwer)

- die Minimaus räumt immer ihre Kleidung auf (die braucht morgens 5 Paar Socken oder drei Jeans, die gerade nicht gefallen und dann unangezogen unterm Bett/ im Wäschekorb verschwinden, ich wasche ganz viel saubere Wäsche von ihr)

Es wird eine aufregende Zeit. Zumindest für Simon, dessen Kontrollzwang voll durchschlägt und meint, alle kontrollieren zu müssen, ob sie sich daran halten.

 

 

 

 

11.2.16 18:08


Was waren wir?

 

Hier ein paar Tips:

 - wir hatten eine Schleuder dabei

 - ich war kein Schlumpf

 - das Schweinchen hat eine Krone auf

 - kein Vögelchen wurde geworfen, sondern es selbst warf Bonbons

 

Naaaa? Schon eine Idee? Hier die Auflösung:

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6.2.16 18:37


Willkommen!

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Auch in unserem kleinen Dorf kommen hilfesuchende Menschen an. Ein netter Nachbar hat mir obigen Willkommensgruß auf arabisch notiert, die Kinder haben Schilder für das entsprechende Haus gemalt, die wir aufhängen wollen. Unser neues Familienprojekt heißt also helfen, wie wissen wir noch nicht genau, aber wir denken, das werden uns die neuen Dorfbewohner schon sagen. Auf jeden Fall werden wir neben dem ankommenden Bus stehen und sie lächelnd begrüßen. Denn grimmige Gesichter werden sie die nächsten Tage, Wochen und Monate hier noch genug sehen.

31.1.16 18:23


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